Der Himmel im Juni 2026

Der Himmel im Juni 2026
BildDer Himmel im Juni 2026

Der Sternenpodcast Juni 2026

Ihr Audioguide für die Sterne. Ob zuhause mit der Sternkarte oder unterwegs unter freiem Himmel - wir führen Sie zu den interessantesten Sternbildern und Himmelsereignissen – jeden Monat neu und kostenlos.

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Dieser Podcast des Planetarium Hamburg wird Ihnen in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Abendblatt präsentiert - mit freundlicher Unterstützung unserer Audio-Partner Prime Time Studios und Audio Consulting Group.

Markanter „Doppel-Abendstern“ am vorsommerlichen Himmel

Am 2. Juni haben wir zunächst die Gelegenheit, einen Blick auf den scheuen Merkur am nordwestlichen Abendhimmel zu erhaschen. Da sich der innerste Planet unseres Sonnensystems immer nahe der Sonne aufhält, ist er nur schwer aufzufinden und eher ein Objekt für erfahrene Beobachtende mit der entsprechenden Ausrüstung. Ganz anders verhält es sich mit dem auffälligen Abendstern Venus. Denn unser innerer Nachbarplanet leuchtet mittlerweile in voller Pracht am Abendhimmel. „Am 9. Juni bilden Venus und Jupiter gemeinsam einen strahlenden ‚Doppel-Abendstern‘. Die beiden hellsten Planeten unseres Sonnensystems stechen sofort ins Auge. Zusammen bieten sie uns den vielleicht schönsten Himmelsanblick des Jahres“, schwärmt Dr. Björn Voss, Direktor des Planetarium Hamburg. „Doch damit nicht genug: Am 16. Juni formen die beiden Himmelskörper als Trio mit der tief stehenden Mondsichel ein harmonisches Dreieck. Auch einen Abend später lohnt sich der Blick zum Firmament. Denn nun hat sich unser Trabant der Venus angenähert und steht etwas höher über dem Horizont. Dadurch ist das markante Himmelsdreieck zwar weniger symmetrisch, aber dennoch unverändert hübsch anzusehen.“ Anschließend heißt es Abschied nehmen von Jupiter, der das Firmament vorerst verlässt. Doch bereits Mitte August erscheint der Gasriese wieder in der Dämmerung am Morgenhimmel. Schon jetzt finden wir dort seinen „kleinen Bruder“ Saturn, dessen Helligkeit langsam zunimmt.

Sommersonnenwende

Als ob sie den Frühling verabschieden möchte, leuchtet die zunehmende Mondsichel am 19. Juni noch einmal nahe dem Stern Regulus im Frühlingssternbild Löwe. Der anstehende Jahreszeitenwechsel macht sich schon länger dadurch bemerkbar, dass sich die Mittagshöhe der Sonne langsam ihrem Maximum nähert. „Auch der sogenannte Sonnenlauf verlangsamt sich. Das ist ganz typisch für die Wochen vor der Sommersonnenwende. Die Sonne geht zwar nach wie vor etwas früher auf und sinkt später unter den Horizont, aber die täglichen Unterschiede sind längst nicht mehr so dynamisch wie zur Tag-und-Nacht-Gleiche im März, die den Frühlingsanfang auf der Nordhalbkugel markierte“, erklärt Dr. Voss. „Am 21. Juni um 10:25 Uhr erreicht die Sonne schließlich den Gipfel ihrer Jahresbahn und steht am höchsten über dem Himmelsäquator – was nicht mit dem Horizont zu verwechseln ist. Der Himmelsäquator ist vielmehr eine Projektion des Erdäquators auf eine erdachte Himmelskugel, die unsere Erde umgibt. Auf diese können wir alle Himmelskörper übertragen – auch den scheinbaren Lauf unserer Sonne.“ Bis zur kommenden Tag-und-Nacht-Gleiche im September werden die Nächte nun langsam wieder länger. Die hellen Stunden des Tages übertreffen bis zum Herbstanfang aber weiterhin die dunklen.

Mitternachtsdämmerung und Weiße Nächte

Je weiter wir uns im Norden befinden, desto heller bleiben die sommerlichen Nächte. Das Phänomen der sogenannten Weißen Nächte hängt damit zusammen, dass die Sonne mindestens 18 Grad unter den Horizont sinken muss, damit es in der Nacht komplett dunkel wird. Steht sie höher, ist ihr Streulicht in der Atmosphäre sichtbar. „Das Naturphänomen macht sich am stärksten in den Regionen nördlich des 54. Breitengrads bemerkbar. Am norwegischen Nordkap prangt unser Tagesgestirn selbst um Mitternacht noch als Mitternachtssonne über dem Nordhorizont“, sagt Dr. Voss. „In Hamburg sinkt die Sonne in den Sommermonaten etwa 12 bis 13 Grad unter den Horizont. Wir erkennen ihren Standort an einem silbrig-blauen Streif am Himmel. In diesem Zuge geht die Abenddämmerung bei uns förmlich in die Morgendämmerung über. Dies bezeichnen wir als Mitternachtsdämmerung.“ Im Kieler Raum ist der „Silberstreif“ der Sonne am Nachthimmel sogar noch heller.

Nachtleuchtende Wolken

In den Wochen um die Sommersonnenwende sehen wir außerdem silbrig-weiß leuchtende Nachtwolken. Im Englischen werden sie „Noctilucent Clouds“ genannt. Diese besonderen Wolken zieren den sommerlichen Himmel, wenn die Sonne nur zwischen 6 und 16 Grad unter den Horizont sinkt. Weiter südlich sind die Sichtbedingungen aufgrund der tieferstehenden Sonne eingeschränkter.

„Nachtleuchtende Wolken sind keine Erscheinung der Troposphäre bis etwa 12 Kilometer Höhe wie gewöhnliche Wolken. Sie bilden sich in der sogenannten Mesopause ab etwa 80 Kilometern Höhe und bestehen aus Wassereis“, sagt Dr. Voss. „Damit die geringe Wasserdampfkonzentration in dieser Höhe gefriert, muss es dort mindestens minus 140 Grad Celsius kalt sein. Das ist zwischen Mitte Mai und Mitte August der Fall.“

Normale Wolken bilden sich, wenn Wasser verdampft, zum Himmel aufsteigt und dort von irdischen Staubkörnchen, den Kondensationskeimen, zum Kondensieren gebracht wird. Diese Partikel schaffen es aber nicht in höhere Atmosphärenschichten. In der Mesopause verglühen jedoch kosmische Partikel ferner Kometen und Asteroiden zu Sternschnuppen. Daher entstehen die Wolken in dieser Höhe dank außerirdischen Staubs. „Mit ein wenig Fantasie betrachten wir also ‚außerirdische‘ Wolken“, sagt Dr. Voss mit einem Augenzwinkern. „Wir entdecken sie noch bis in den Juli hinein tief am Nordhorizont.“

Sommerlicher Sternenhimmel

Im Verlauf des Monats sinken die typischen Frühlingssternbilder langsam tiefer in den Westen. Mit einsetzender Dämmerung entdecken wir die bläulich-weiße Wega in der Leier. Gemeinsam mit Atair im Adler und Deneb im Schwan bildet sie das großflächige Sommerdreieck. Am 27. Juni prangt der zunehmende Mond beim hellsten Stern eines weiteren Sommersternbilds. Es ist Antares, das „Herz des Skorpions“. Der sogenannte Rote Überriese ist beeindruckende 550 Lichtjahre von der Erde entfernt und leuchtet dennoch auffällig an unserem Himmel. „Antares ist ein wahrer Gigant und zwölfmal massereicher als unsere Sonne“, sagt Dr. Voss. „Stünde dieser Stern anstelle unserer Sonne, hätte er sich Merkur, Venus, Erde und Mars bereits einverleibt. Ein Glück, dass er so weit von uns entfernt ist. So können wir uns in milden Sommernächten an seinem hübschen Funkeln erfreuen.“ Auch der Skorpion selbst ist beeindruckend. Aber leider sehen wir die prächtig geschwungene Sternenkette, die seinen hinteren Teil darstellt, nur in südlichen Gefilden.

Prächtiger Monatsabschluss: „Erdbeermond“

Typisch für die späten Frühlings- und Sommermonate steht der Vollmond in der Nacht auf den 30. Juni tief am Horizont. So wirkt er besonders prächtig und bietet uns einen wunderschönen Himmelsanblick zum Monatsende. „Wenn das Wetter mitspielt, wirkt ein tief stehender Vollmond beeindruckender als manch erdnaher ‚Supermond‘. Denn in Horizontnähe vergleicht ihn unser Gehirn automatisch mit Bäumen oder Gebäuden, was den Mond viel größer erscheinen lässt“, erklärt Dr. Voss. „Höher am Himmel fehlen diese Vergleichsmöglichkeiten.“ Indigene Völker Nordamerikas gaben dem Juni-Vollmond den wohlklingenden Namen „Erdbeermond“. Leider wurden sie nicht von einer besonderen Farbgebung zu dieser Bezeichnung inspiriert, sondern von der anstehenden Erdbeerernte. Denn als es noch keine modernen Uhren und Kalender gab, half der Mond den Menschen dabei, das Jahr und ihren Alltag zeitlich zu strukturieren. Seine verschiedenen Namen im Jahreslauf verraten uns mehr über ihre Umwelt, wichtige Traditionen und wiederkehrende Arbeiten.