Der Himmel im April 2026

Der Himmel im April 2026
BildDer Himmel im April 2026

Der Sternenpodcast April 2026

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Dieser Podcast des Planetarium Hamburg wird Ihnen in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Abendblatt präsentiert - mit freundlicher Unterstützung unserer Audio-Partner Prime Time Studios und Audio Consulting Group.

Voller „Ostermond“

Am 2. April leuchtet der erste Vollmond des Frühlings am Himmel. Er ist der für den Kalender wichtigste Vollmond des Jahres. Denn am darauffolgenden Sonntag wird traditionell das christliche Osterfest gefeiert. Dies geht zurück auf Überlieferungen des Neuen Testaments zur Auferstehung Jesu. „Wer sich schon immer gefragt hat, warum wir Ostern manchmal im März feiern und manchmal recht spät im April, hat hiermit die Antwort gefunden. Denn unter Berücksichtigung des regelmäßigen Laufs des Mondes um die Erde kommen zahlreiche Tage zwischen dem 21. März und dem 19. April als mögliches Datum für den ersten Vollmond nach der Tag-und-Nacht-Gleiche im März infrage“, erklärt Dr. Björn Voss, Direktor des Planetarium Hamburg. „Das Osterfest wird also frühestens am 22. März und spätestens am 25. April gefeiert. Am 50. Ostertag, 49 Tage später, ist Pfingsten – in diesem Jahr am 24 Mai.“

Der Mond: silbrig, braun oder pink?

Der „Ostermond“ in diesem Jahr wird gleichzeitig auch „Pink Moon“ genannt. „Wer in freudiger Erwartung eines rosa Mondes zum Himmel blickt, wird leider enttäuscht“, sagt Dr. Voss. „Der Ostermond erstrahlt in seinem üblichen Silberglanz. Die Bezeichnung ‚Pink Moon‘ für den Aprilvollmond stammt von nordamerikanischen Naturvölkern. Sie benannten ihn nach einer zu dieser Zeit auffällig blühenden Pflanze, der Phlox.“

Kaum jemand weiß, dass der Mond eigentlich gar nicht grau oder silbrig ist. „Seine tatsächliche Farbe ist Braun – und das nicht nur zu Ostern als ‚schokoladiger‘ Ostermond“, schmunzelt Dr. Voss. „Die Oberfläche des Mondes besteht zum großen Teil aus bräunlichem Vulkangestein. Außerdem treibt die Weltraumverwitterung die Verfärbung voran: Durch die Sonnenwinde und den ständigen Beschuss mit Mikrometeoriten färbt sich der Mondstaub ins rötlich Braune. Außerdem befinden sich auf dem Mond große dunkle Flächen aus erstarrter Lava, die sogenannten ‚Mondmeere‘. Sie enthalten viele Titan- und Eisenminerale. Das verleiht ihnen eine sehr dunkle Tönung.“

Doch warum ist der Mond dann für uns grau? Warum sehen wir den dunkelbraunen bis dunkelgrauen Mondstaub silbrig hellgrau, das beige bis hellgraue Mondhochland weißlich und die dunkelbraunen bis schwarz-blauen „Mondmeere“ dunkelgrau? Die Ursache dafür ist eine Kombination aus Physik, Biologie und Fotografie: „Unsere Augen und viele Kameras verschlucken die braune Farbe einfach. Wenn wir den Mond am Himmel sehen, nimmt unser Gehirn den Kontrast zum tiefschwarzen Hintergrund wahr und nutzt das Schwarz als Referenzpunkt“, erklärt Dr. Voss. „Und da der von der Sonne beschienene Mond das hellste Objekt am Nachthimmel ist, interpretieren unsere Augen das reflektierte Sonnenlicht als strahlendes Weiß oder Grau. Bei Fotografien ist, ähnlich wie beim menschlichen Auge, der automatische Weißabgleich der Kameras ein häufiges Problem: Aufgrund des Kontrastes zum umgebenen Schwarz des Himmels wird der Mond mangels Vergleichspunkten automatisch farblos dargestellt.“

„Sonnenstreifer“: Komet C/2026 A1 MAPS

Der Komet C/2026 A1 MAPS wurde am 13. Januar dieses Jahres entdeckt. Er gehört zur Gruppe der sogenannten „Kreutz-Kometen“, benannt nach dem Astronomen Heinrich Kreutz. Bei ihnen handelt es sich um Bruchstücke eines riesigen Kometen, der vor Jahrhunderten zerbrach. Ihre Bahn führt sie äußerst nah an der Sonne vorbei. „Viele dieser Himmelskörper überstehen die enorme Hitze der Sonne nicht. Schließlich sind Kometen im Prinzip nichts anderes als ‚schmutzige Schneebälle‘ aus den Weiten des Alls“, erklärt Dr. Voss. „Der typische ‚Schweifstern‘, als den wir Kometen kennen, entsteht, wenn das Eis in Sonnennähe zu Dampf wird. Wasserdampf und andere Gase ummanteln den Kometenkern und reißen kleine Partikel mit sich, die zuvor im Eis des Kometen eingebettet waren. Es bilden sich zwei lange Schweife – einer aus Gas und einer aus Staubteilchen.“

Nur wenige „Kreutz-Kometen“ halten den Extrembedingungen nahe der Sonne stand und werden an unserem Himmel als auffällige Kometen sichtbar. Ob Komet C/2026 A1 MAPS zu ihnen gehört, wird sich erst zeigen. Seinen sonnennächsten Punkt mit nur etwa 800.000 Kilometern Abstand zu unserem Tagesgestirn wird er am 4. April erreichen. „Er könnte also eigentlich als ‚Osterkomet‘ gelten. Drücken wir die Daumen, dass er seine Sonnenpassage übersteht. Denn er könnte eine eindrucksvolle Erscheinung werden“, sagt Dr. Voss. „Abzeichnen würde er sich am Westhimmel in der Abenddämmerung.“

Leider ist es wahrscheinlicher, dass Komet C/2026 A1 MAPS in Sonnennähe zerbricht und sich auflöst. Sollte dies nicht der Fall sein, hätten wir ab dem 8. oder 9. zunehmend bessere Sichtbedingungen, weil er dann nicht mehr mit der Sonne am Himmel steht und höher über den Horizont steigt – allerdings bei abnehmender Helligkeit.

Venus, Jupiter und Mond am Frühlingshimmel

Die Venus baut ihren Auftritt als auffälliger Abendstern immer weiter aus. Am 19. April erhält sie dabei Besuch von der schmalen Mondsichel. Am folgenden Abend bieten uns die beiden Himmelskörper gemeinsam mit dem Gasriesen Jupiter den wohl schönsten Himmelsanblick des Monats: „Venus und Jupiter sind im April noch immer die einzigen freisichtigen Planeten. Gegen 22:30 Uhr lohnt sich der Blick zu ihren beiden leuchtenden Lichtpunkten am westlichen Firmament besonders. Jupiter steht hoch am Himmel, Venus in Horizontnähe und die zierliche Mondsichel prangt genau in ihrer Mitte. Gemeinsam bilden sie eine schräg stehende Linie – ein beeindruckendes Trio.“ Doch damit nicht genug. In der Nacht vom 22. auf den 23. April wandert der Mond auffällig an Jupiter vorbei, was ebenfalls hübsch zu beobachten ist. Der Riesenplanet ist noch immer ein auffälliger Blickfang am Abendhimmel, zieht sich aber langsam aus der zweiten Nachthälfte zurück.

Um Mitternacht am 25. April leuchtet der Mond bei Regulus, dem Hauptstern des Frühlingssternbilds Löwe. Gemeinsam mit Arktur im Bärenhüter und Spica in der Jungfrau bildet Regulus das großflächige Frühlingsdreieck. Wenn nicht gerade der Mond unsere Blicke lenkt, hilft der Große Wagen dabei, es zu finden. Dieser fährt im April hoch über unseren Köpfen über das Himmelszelt. Verlängern wir den Schwung seiner Deichsel, gelangen wir zunächst zum orange-rot leuchtenden Arktur, dem hellsten der typischen Frühlingssterne. Unterhalb von ihm erstrahlt die weiß-bläuliche Spica. Regulus finden wir schließlich weit rechts oberhalb von Spica, direkt unterhalb der vorderen Deichsel des Sternbilds Großer Wagen.

Der majestätische Löwe hat nun seine Gipfelposition erreicht und ist selbst für ungeübte Beobachtende gut am Himmel auszumachen. Sein Rumpf wird von einem großen Sternentrapez dargestellt, bei dem neben dem Stern Regulus auch die Lichtpunkte von Denebola und Algieba unmittelbar ins Auge stechen. Algieba bedeutet im Arabischen „Mähne des Löwen“. Er bildet den Übergang zum sichelförmigen Kopf des Tieres. Auf der linken Seite der Formation finden wir Denebola, der übersetzt „Schwanz des Löwen“ heißt.

Im Westen verabschieden sich die typischen Wintersternbilder. Der Große Hund mit Sirius ist bereits unter den Horizont gesunken. Himmelsjäger Orion mit Rigel und der Stier mit Aldebaran werden ihm bald folgen, während sich die Zwillinge mit Kastor und Pollux noch recht hoch am westlichen Himmel aufhalten. Links von ihnen entdecken wir den Kleinen Hund mit Prokyon und rechts von ihnen Kapella im Fuhrmann. Blicken wir zum Nordosthorizont, erhalten wir mit Wega in der Leier und Deneb im Schwan einen ersten Vorgeschmack auf den Sommer. Die Leier, lateinisch Lyra, ist die Namensgeberin eines Sternschnuppenstroms, der im April einige kosmische Leuchtspuren an den Himmel zeichnet. Denn in ihrem Umfeld befindet sich der scheinbare Ausstrahlungspunkt der alljährlichen Lyriden.

Meteorschauer der Lyriden

Vom 16. bis zum 25. April haben wir in klaren, dunklen Nächten fern der Stadt die Gelegenheit, hübsche Sternschnuppen des Meteorschauers der Lyriden zu entdecken. Sein Maximum erreicht das kosmische Schauspiel am 22. April. Auch wenn die Lyriden zu den eher mäßigen Sternschnuppenereignissen gehören, ist es der erste auffällige Meteorstrom nach längerer Pause. Leider entdecken wir dennoch selbst bei idealen Sichtbedingungen auf dem dunklen Land nur bis zu 20 Leuchtspuren in der Stunde. Die meisten Sternschnuppen sehen wir in den frühen Morgenstunden des 22. April. Doch auch noch am darauffolgenden Abend und am Morgen des 23. April lohnt es sich, zum Himmel zu schauen.

„Zu früheren Zeiten dachten die Menschen, Sternschnuppen seien Sterne, die vom Himmel fallen“, erklärt Dr. Voss. „In Wirklichkeit handelt es sich um zumeist sandkorngroße Himmelskörper, die auf die Erdatmosphäre treffen und dort verglühen. Entlang ihres Pfades bilden sich Schläuche aus leuchtender Luft, die wir als Sternschnuppen kennen. Die sogenannten Meteoroide sind also nur die Ursache der kosmischen Lichterscheinung, die wir als Meteore – oder Sternschnuppen – kennen.“ Die Lyriden stammen vom Kometen Thatcher, dessen Spur aus Staubteilchen unsere Erde jedes Jahr im April kreuzt.